Im Frühling 1991 entschieden ich und einige Freunde, dass es Zeit für eine direkte Kampagne gegen die amerikanische Pelzfarmindustrie war. Man hatte uns informiert, dass an der Oregon State University Tierversuche durchgeführt wurden, die von der “Forschungsstiftung der Nerzfarmer” (“ MFRF – Mink Farmers Research Foundation“) gesponsort wurden – einer Vereinigung, die Steuern auf Nerzpelze in Auktionshäusern erhebt und damit Forschung unterstützt, die Pelzfarmern zugute kommt.
Eine verdeckte Ermittlung, die von Friends of Animals finanziert wurde, brachte die verwundbaren Stellen der Pelzindustrie ans Licht, insbesondere bei Forschung und Entwicklung. Denn das MFRF finanzierte nur an einigen wenigen Unversitäten Versuche, deren Ziel es war die Kosten bei der Nerzaufzucht zu senken und die Ausbreitung von Krankheiten bei Nerzen in Gefangenschaft zu verhindern. Und gegen Ende Februar 1992 hatten -bis auf eine Ausnahme- alle Empfänger der MFRF-Gelder den Biss der A.L.F. zu spüren bekommen. Neben OSU wurden die Washington State University in Pullman, die Michigan State University in East Lansing, die Pelzzüchter-Vereinigung in Edmonds, Washington und die Malecky Nerzfarm in Oregon überfallen. Dies ist die Geschichte des ersten Raids einer Kampagne, die später als Operation Bite Back bekannt wurde.
Wir fuhren auf unseren Mountainbikes hoch nach Corvallis, Oregon und untersuchten die äußeren Campusbereiche, bis wir die langen Ställe der experimentellen Pelzfarm gefunden hatten. Wir warfen unsere Fahrräder ins Gebüsch und näherten uns dem Gelände. Überall waren Spuren von entflohenen Nerzen zu sehen. Da die Farm niemals Ziel von Protesten oder gar direkten Angriffen war, gab es nicht mehr Sicherheitsvorkehrungen als Außenbeleuchtung, Zäune und dem Quartier eines Hausmeisters.
Nachdem wir vom Gebüsch aus ein paar Stunden lang nach Sicherheitsvorkehrungen und Wachmännern Ausschau gehalten hatten kletterten wir über den Zaun auf das Gelände, von wo aus wir jedes Gebäude untersuchten, bis wir das Gefühl hatten uns einen ungefähren Eindruck des Aufbaus der Anlage verschafft zu haben. Außer den Ställen für die Nerzkäfige gab es noch Lagerräume für das auf der Farm gebrauchte Equipment, eine Werkstatt, das Gebäude für die experimentelle Fütterung, ein Labor, das Haus des Hausmeisters und die Büros des leitenden Forschers, Ron Scott.
Als nächstes sprangen wir über den 1,50 Meter hohen Zaun, der die Nerzställe umgab, und oben mit einem elektrischen Drahts abschloss, derselben Art die verwendet wird um Pferde in ihren Gehegen zu halten, für beschlossen das Tor nicht zu öffnen, für den Fall, dass es mit einem Alarm abgesichert gewesen war. In einigen Schuppen waren keine Nerze und ein kleiner weiblicher Nerz zog frei auf dem Gelände umher. Wir untersuchten das Tor auf einen Alarm, öffneten es und sahen zu, wie das Weibchen das uns gefolgt war in die Freiheit lief. In diesem Augenblick sahen wir über das Tor zu dem angrenzenden Forschungslabor und bemerkten ein Badezimmerfenster das nicht verschlossen war.
Wir öffneten das Fenster, schlossen es wieder und zogen uns vom Gelände zurück, um auf eine Reaktion zu warten – für den Fall, dass das Fenster mit einem Alarm versehen sein sollte. Es passierte nichts Erkennbares. Als nächstes stiegen wir aufs Dach, von dem aus wir die ganze Station überblicken konnten. Es ist verdammt selten, dass man so etwas zum ersten Mal macht und sich direkt sicher genug fühlt, um dabei zu dem Schluss zu kommen, dass man direkt etwas unternehmen kann, aber genau das taten wir.
Es war uns bewusst, dass die Art von Aktionen wie wir sie planten dazu führen würden, dass eine Welle von Repressionen auf Tierrechtsaktivisten niedergehen würde, aber wir wussten, dass es Zeit war, dass die Pelzindustrie von der A.L.F. ins Visier genommen wird, wobei OSU als Nr.1-Empfänger von MFRF Geldern als das sinnvollste erste Ziel in Betracht kam. Sollten wir erfolgreich sein würden wir auf einen Schlag sechs Forschungsprojekte lahmlegen, die am Ende wohl innovative Entwicklungen in der Aufzucht von Nerzen ergeben hätten. OSUs experimentelle Pelzfarm wurde von der US-Behörde für Landwirtschaft im Jahre 1926 gegründet. Nach 65 Jahren wurde es Zeit, dass sie in Rente ging. Nun mussten für die Aktion Leute rekrutiert werden. Anstatt bereits verdächtige A.L.F. Aktivisten auszuwählen, wurde entschieden Leute anzusprechen, die bei den Behörden nicht bekannt waren. Eine Handvoll vertrauenswürdiger Aktivisten, die ihre Zuverlässigkeit bereits in anderen Kampagnen unter Beweis gestellt hatten, wurde kontaktiert, nur persönlich und nur außerhalb ihrer Häuser. Nicht ein Einziger von ihnen lehnte es ab Mitglied der Western Wildlife Unit der A.L.F. zu werden, wie die Gruppe einmal heißen sollte.
Auf unserer zweiten Mission waren wir mit topografischen Karten für die gesamte Region bewaffnet. Wir fuhren Straßen ab um Fluchtwege zu finden, für den Fall, dass man uns während des Überfalls bemerkte. Es wurden Treffpunkte vereinbart, an denen man rausgelassen und aufgesammelt werden konnte (Dropoff/Pickup-Points). Wir vermieden es an irgendwelchen Läden in der Umgebung zu halten und tankten weit entfernt von unserem Ziel. Wir wussten, falls man uns nach dem Überfall aufgrund unseres öffentlichen Aktivismus verdächtigen würde, würde man unsere Bilder örtlichen Händlern zeigen, also war es klug nicht in der Gegend gesehen zu werden.
Unsere Gruppe fing an die Stärken und Schwächen der einzelnen Mitglieder kennenzulernen und darauf basierend, legten wir die Rollen der einzelnen Personen fest. Manche waren bessere Fahrer, andere waren bessere Beobachter und verschlagener. Auf die Weise teilten wir ein wer Fahrer sein würde, wer als Wachposten arbeitete und wer das ganze Team anführte. Wir haben die ganzen Nachtbeobachtungen des Geländes in der Woche durchgeführt, in der wir den Überfall geplant hatten, und machten uns sehr vertraut mit den Aktivitäten, die im im Normalfall auf dem Gelände stattfanden. Mit der Sicherheit, die nur durch kompetente A.L.F. Aktivisten und sorgfältige Planung erreicht werden kann, besprachen wir als Nächstes die Taktiken mit der wir vorgehen wollten. Wir wollten die Farm schließen, nicht unbedingt die Unterstützung der Öffentlichkeit erhalten. Brandstiftung wurde als am Naheliegendsten für diesen Zweck betrachtet, sowie auch die Mitnahme und Zerstörung wichtiger Forschungsdokumente und genetischer Aufzeichnungen, sowie Genproben der Nerze.
Die Experimente die in erster Line zu dem Zeitpunkt stattfanden, beinhalteteten experimentelle Fütterungen. Wir kamen zu dem Entschluss, dass das Gebäude in dem das Futter gemischt und gelagert wurde Ziel eines Brandsatzes werden sollte. Das Gebäude war weit genug von den Nerzställen weg und lag auf der windabgewandten Seite der Unterkunft des Hauswarts. Als nächstes entschieden wir uns dazu, die ganzen Identifikationskarten auf den Nerzkäfigen zu entfernen, und alle Aufzeichnungen aus dem Büro des leitenden Forschers mitzunehmen.
Da das Badezimmerfenster offenstand waren wir nicht nur in der Lage das Hauptlabor vor dem Überfall mehrfach zu betreten, was nicht bloß half wichtige Aufzeichnungen zu finden, es brachte uns auch die Gelegenheit Briefe und Notizen zu lesen, die erkennen ließen in welchem Verhältnis die Station zu umliegenen Pelzfarmen und dem MFRF stand. Wir konnten sogar Dokumente über ausstehende Aufträge mitnehmen, sie kopieren und in der selben Nacht zurückbringen. In der Nacht in der die Aktion stattfinden sollte, hatten wir bereits eigene Aufzeichnungen über jedes Forschungsprojekt der Station und die Namen und Adressen von so ziemlich jeder Pelzfarm und jedem Pelzlieferanten des Nordwestens.
Der lang herbeigesehnte Tag, an dem dem Volk der Nerze Gerechtigkeit widerfahren würde, kam endlich. Die Beteiligten versammelten sich in einer naheliegenden Stadt und vom frühen Morgen an besprachen wir noch einmal unsere Rollen, gingen noch einmal die Karten, Fotos, Videos und Notizen durch, bis auch diejenigen, die nicht direkt an den Aufklärungseinsätzen beteiligt waren über die Aktion genau Bescheid wussten. Niemandem war es erlaubt die eigene Kleidung oder Schuhe zu tragen, und alles was wir bei dem Überfall benutzen wollten konnte entsorgt werden. Neue Werkzeuge wurden gekauft und Brandsätze gebaut und getestet. Die Routen wurden nocheinmal abgefahren und auf ungewöhnliche Aktivitäten untersucht, die Autos aufgetankt und auf defekte Scheinwerfer oder andere Dinge, die die Aufmerksamkeit der Polizei erregen könnten geprüft. Am Vorabend wurde nocheinmal alles zusammengefasst und der Entschluss gefasst, dass nun alles bereit war um mit der Aktion loszulegen.
Es kam die Zeit an dem die Ungeduld zur größten Herausforderung wurde. Pläne wurden noch einmal durchgegangen, die Batterien in den Taschenlampen überprüft und die Rucksäcke gepackt. Wir warteten nur noch auf die Dunkelheit. Zwei Autos wurden mit Personen und Ausrüstung beladen und wir brachen in zwei Gruppen auf. Einer der ersten Gruppe fuhr mit dem Fahrrad los um seinen Aussichtspunkt einzunehmen. Diese Person sollte einen Polizeifunk-Scanner überwachen, der auf die Frequenzen der Orts-, Landes- und Staatspolizei programmiert war, und feststellen, ob sie irgendetwas über verdächtige Vorgänge in der Station erwähnten. Sie sollte die Polizeicodes entschlüsseln und den Rest des Teams sofort informieren. Solange nichts schief lief war absolute Funkstille zu wahren. So sollte die Kommunikation aufs Nötigste beschränkt bleiben, statt ständigen Funkkontakt zu halten, der schnell ablenken kann.
Ein Team kam vom Fluss und stieg über den Zaun des Nerzgeheges und begann die Identifikationskarten abzureißen. Ein anderes Zweimannteam kletterte durch das Badezimmerfenster und ging direkt in die Büros und Labore mit den wichtigen Dokumenten und begann leere Behälter mit ihnen zu füllen. Alles andere an Forschungsmaterial wurde auf den Boden geworfen, und eine Wasserleitung zerstört um das Gebäude zu fluten. Alles an Ausstattung, die irgendwie wertvoll war wurde in einen schalldichten Raum gebracht und zerschmettert. Nachdem das Hauptlabor zerstört und geflutet war und alle Dokumente entweder zerstört oder mitgenommen, wurde die typische rote Farbe in Sprühdosen rausgeholt und Botschaften für die Forscher in metergroßen Buchstaben zurückgelassen. Die vielsagendste davon war ” A.L.F., ES FOLGT NOCH MEHR….DIES WAR NUR DER ANFANG.”
Jedes Werkzeug und jede Sprühdose die im Labor benutzt worden war, wurde in Plastikmülltüten eingewickelt und zurück in die Rucksäcke gesteckt. Bis jetzt betrug die Menge der eingepackten Dokumente locker über 35 Kilo. Ein Teammitglied hatte als einzige Aufgabe sie herauszuschaffen. Es wurde eine schnellere Fluchtroute vom Gelände genutzt als die auf der man hineinkam, und die Abweichung von unserem ursprünglichen Plan offenbarte augenblicklich eine Sicherheitslücke. Als das Team am Haus des Warts vorbeikam ging ein Licht an, dass von einem Bewegungsmelder gesteuert wurde und offenbarte ihre Anwesenheit. Zum Glück konnten sie in Deckung gehen, bevor sie jemand sah, aber für unseren Wachposten sah es so aus, als wären wir entdeckt worden.
In diesem Moment waren zwei andere damit beschäftigt die Brandsätze in der Fütterungsanlage aufzustellen. Als die Warnung über Funk kam wurde der vollständige Rückzug aller Beteiligten angeordnet. Bei dem Wachposten angekommen wurde geklärt, dass obwohl das Licht ausgelöst wurde, niemand entdeckt worden war. In dem Wissen, dass ohne die Zerstörung der Fütterungsanlage die Forschungsprojekte eventuell fortgesetzt werden könnten, entschlossen sich die beiden zurückzukehren, um die Brandsätze fertigzustellen. Alle außer ihnen und dem Wachposten wurden abgezogen und die Brandsätze wurden auf 50 Minuten Zeitverzögerung eingestellt. Die zwei Krieger stapelten Nistkästen und Bretter, die für die Häutung gedacht waren, um die Brandsätze herum, die zentral im Holzgebäude platziert waren, und dann forderten sie über Funk an eingesammelt zu werden.
Einmal in den Fahrzeugen, nachdem alle mitgenommenen Dokumente in einen separaten Wagen gepackt wurden, wo man sie genauer durchsehen würde, zogen sich auch die Verbleibenden der Western Wildlife Unit die während des Überfalls getragene Kleidung vom Körper und wickelten sie in weitere Mülltüten ein. Diese und alle weiteren wegwerfbaren Gegenstände wurden von den verschiedenen Personen in verschiedene Müllbehälter geworfen. Keine Werkzeuge wurden zusammen mit Kleidung weggeworfen und wir suchten uns Mülltonnen und Mülleimer, bei denen es unwahrscheinlich war, dass dort jemand rumwühlt. Als der Adrenalinspiegel zusammen mit der nächtlichen Dunkelheit verschwand machte sich Erschöpfung bei uns breit. Als wir mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit Richtung Süden fuhren ging langsam die Sonne am Horizont auf.
Heute würde ein neuer Tag für alle Nerze anbrechen. Nie wieder würden sich Pelzfarmer mit ihrem blutigen Geschäft sicher fühlen. Es würde noch Stunden dauern, bis die Nachrichten bestätigen würden, dass ein Feuer auf OSUs Forschungs-Pelzfarm ausgebrochen war und die Fütterungsanlage zerstört hatte, aber wir wussten, dass unsere Anstrengungen von Erfolg gekrönt waren. Wir brauchten keinem zu erklären, dass unsere Aktion gerechtfertigt war. Der Blick in die Augen der Nerze am Vorabend war mehr als genug. Einige Dokumente wurden bereits von immernoch einsatzbereiten Leuten durchgesehen. Von besonderem Interesse waren Briefe, die erkennen ließen, dass die Nordwestliche Pelzzüchterkooperative in Edmonds Futterspenden gab, die die Experimente möglich machten. Ohne solche Unterstützung wäre die Station nicht in der Lage Fütterungsexperimente durchzuführen. Noch vor Ende der Woche würde ein Brand durch die Kooperative gehen, der 400.000$ Schaden anrichten und die halbe Anlage zerstören sollte. Ein halbes Jahr später würde OSU bekannt geben, dass sie ihre experimentelle Pelzfarm vollständig schließen, da sie ohne ausreichende staatliche und private Unterstützungen nicht in der Lage sind ihre Forschung fortzuführen. Eine Pressemitteilung der A.L.F., die unter Verwendung des Briefkopfs der Pelzfarm veröffentlicht wurde, mit der man sich zu dem Überfall bekannte, versprach weitere Angriffe und endete mit dem Schwur, dass Operation Bite Back nicht enden würde…”Bis die letzte Pelzfarm abgebrannt ist.”
OPERATION BITEBACK ZEITTAFEL
Mai 1991 – Brandanschlag auf die experimentelle Nerzfarm der Oregon State University. Labor komplett geschlossen!
15. Juni 1991 – Brandanschlag auf die Nordwestliche Pelzzucht Kooperative (Washington). 500.000$ Schaden; geschlossen.
21. August 1991 - 7 Kojoten, 6 Nerze und 10 Mäuse wurden von der experimentellen Pelzfarm der Washington State University befreit. In das Büro von John Gorham (führender Forscher der Pelzindustrie) wurde eingebrochen und alles zerstört; 50.000$ Schaden.
Ende 1991 – Versuchter Brandanschlag auf die Rocky Mountain Pelzfirma (Hamilton, Montana).
28. Februar 1992 – Das Labor von Richard Aulerich, der Forscher für die Pelzindustrie an der Michigan State University war, wurde Ziel eines Brandanschlags. 32 Jahre Forschung zerstört, 2 Nerze befreit.
24. Oktober 1992 - 33 Kojoten aus der USDA Raubtierforschungseinrichtung befreit (Logan, Utah). 2 Feuer im Büro des Pelzforschers Fred Knowlton und in einer USDA Raubtierforschungseinrichtung gelegt; 150.000$ Schaden.
Original No Compromise Issue 16
Übersetzung Bite Back Germany | http://www.bitebackgermany.net
















Bite Back Germany 2011
[...] saß mehrere Jahre im Gefängnis, aufgrund seiner Beteiligung an einer Kampagne der A.L.F die sich “Operation Bite Back” nannte, im Verlauf dieser Kampagne wurden Brandanschläge gegen die Pelzindustrie durchgeführt. [...]