von G Sampath
John Zerzan erlangte erstmals den Status eines prominenten Philosophen im Jahre 1995 nachdem die New York Times über ihn berichtete als Unterstützer der technologiefeindlichen Doktrin des Unabombers. Seitdem nahm er eine führende Rolle in der Primitivistenbewegung in den USA ein. In einem exklusiven Interview mit DNA, erklärt er warum moderne Zivilisation von Grund auf menschenfeindlich, ‘grüne’ Technologie krank und Steinzeit die Lösung ist.
Die These des amerikanischen Philosophen John Zerzan ist simpel: Zivilisation ist krankhaft und muss demontiert werden. Zerzans radikale Kritik an der Zivilisation, dargelegt in Büchern wie Elements Of Refusal (1988), Future Primitive (1994), und Running On Emptiness (2002), bedient sich an anthropologischer Forschung um darzustellen, dass die Domestikation der Natur und die Domestikation des Menschen Hand in Hand gehen. Und das passiert in erster Linie durch Technologie. Ihmzufolge ist die Dystopie der Matrixtrilogie der Wachowski Brüder bereits Realität: die technologisch-industrielle ‘Maschine’ bestimmt bereits den Lauf der Welt, eine Welt in der menschliche Individuen bloß unbedeutende Zahnräder sind und kaum über Autonomie verfügen. Kein einziger Mensch – weder der mächtigste Politiker, noch der mächtigste Geschäftsmann – hat die Macht das System zu regieren. Sie müssen notwendigerweise der erbarmungslosen Logik von dem, was losgelassen wurde folgen. Er glaubt, dass der Klimagipfel in Kopenhagen ein Witz ist, und dass Umweltaktivisten in ihrer Kritik zu oberflächlich sind um etwas zu bewirken. In einem exklusiven Interview spricht der aus Kalifornien stammende Zerzan, der vor kurzem für eine Reihe von Lesungen in Mumbai war, darüber, warum die Rückkehr zum Primitivismus der Steinzeit die einzige bedeutende ‘grüne’ Alternative ist.
Ihre Arbeit wurde beschrieben als ‘zivilisationsfeindlich’. Sind Sie ernsthaft gegen Zivilisation?
Selbstverständlich. Zivilisationsfeindliches Denken beschäftigt sich mit dem Alptraum, der sich jetzt gerade entfaltet. Es stellt einige grundsätzliche Fragen, die bisher nicht gestellt wurden. Es versucht thematisch davon wegzukommen, an der Oberfläche von beherrschenden Systemen rumzukorrigieren, um lieber zu deren Wurzeln zu gehen, und alternative Richtungen einzuschlagen, alternative Projekte, auf einem sehr grundsätzlichen Niveau. Ich meine, hier sind wir, als Spezies und können die Luft nicht atmen. Was muss man dazu noch sagen?
Also meinen sie das wörtlich, wenn Sie sagen wir müssten zurück in die Steinzeit?
Vollkommen, sonst wärs ja bloß Gerede. Wir müssen dieses ganze Chaos demontieren und anfangen praktisch zu denken, anfangen die Fähigkeiten wiederzuerlangen, die wir eins als Menschen auf diesem Planeten hatten. Wir werden bloß abhängiger und abhängiger von Technologie, die alles wegspült – sie spült die Gemeinschaften weg, es spült ziemlich die Erfahrungen weg, es spült Bedeutung weg.

Wie kommt man also zurück zum primitiven Lebensstil?
Der erste Schritt ist überhaupt die Möglichkeit zu bekommen Fragen wie diese zu stellen – vorbei an den Betrügereien der Politik und der Parteien und dem Blödsinn, die nie wirklich etwas in Frage stellen, sondern nur dafür sorgen, dass alles schlimmer wird, dadurch, dass sie den wichtigen Dingen ausweichen. Nichts wird sich jemals wirklich ändern, es sei denn, es gibt eine Chance für die Menschen sich in einem Maße zu beteiligen, das etwas bedeutet, das wirklich diesen technologiebestimmten Pfad in Frage stellt, warum wir auf diesem Pfad sind und was ihn antreibt.
Was hat uns also in erster Linie auf diesen Pfad gebracht?
Ich würde sagen es geht alles zurück auf die Arbeitsteilung, Domestikation und den Aufstieg der symbolischen Kultur*.
Was ist mit der Arbeitsteilung?
Mit der Arbeitsteilung, und dem konsequenten Wachstum von Ungleichheit und Entfremdung von der Erde und voneinander und, zufällig oder nicht, dem Aufstieg der symbolischen Kultur. Die symbolische Kultur kam auf vor der Domestikation und Agrikultur, aber es ebnete den Weg für die Domestikation. Das Aufkommen der Arbeitsteilung in der primitiven Gesellschaft markiert den Beginn der geschichteten Gesellschaft, und es taucht ziemlich plötzlich im Jungpaläolithikum [45,000 bis 10,000 Jahre vor unserer Zeit] auf, unmittelbar vor der Domestikation.
Ohne symbolische Kultur und Sprache, wären wir immer noch menschlich?
Gut, wenn man es so definiert! Heute bedeutet ‘Mensch sein’ , sehr symbolisch, wenn nicht gänzlich symbolisch, wobei auch das bestritten werden kann. Es wurde angenommen, dass vor 60,000 Jahren der Homo Sapiens Sapiens [der moderne Mensch] in Erscheinung trat. Heute jedoch lautet der Konsens, dass er bereits vor 200,000 Jahren gelebt hat. Hier bewegen wir uns bereits raus aus dem symbolischen, was interessant ist, da es Implikationen mit sich bringt.
Was für Implikationen?
Zum Beispiel definieren wir Intelligenz als unsere Fähigkeit Symbole zu ändern und zu manipulieren, aber das ist nicht die einzige Art, und warum definieren wir sie so? Weil unsere eine gänzlich symbolische Kultur ist und um durchzukommen und Dinge zu erreichen, muss man diese Dinge tun: man muss die Mathematik kennen und alles andere. Aber in einer Welt, in der man so etwas nicht hat, meint Intelligenz etwas anderes, und offensichtlicherweise gibt es Intelligenz schon vor dem symbolischen. Davon ausgehend, dass wir vor einer Million Jahre nicht symbolisch waren, und Thomas Wynn und andere Anthropologen sagen wir hatten die selbe Stufe kognitiver Entwiklung wie heute, wurde diese nicht angewendet auf symbolische Projekte oder symbolische Kultur – es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die frühen Menschen ihre Intelligenz für symbolische Projekte angewendet hat. Wie kann man also annehmen, wir wären nicht menschlich wenn wir nicht symbolisch sind?
Alles was gut und großartig am Menschen ist, wäre es möglich gewesen ohne symbolische Kultur?
Das ist bloß die vorherrschende Art das zu betrachten. Wenn man beispielsweise Kunst, Religion und so weiter als Kompensation und als Trost für die Dinge betrachtet, die in der modernen Zivilisation verloren gegangen sind, dann sehen sie plötzlich nicht mehr so fabelhaft aus. Faktisch, denke ich, geben sie uns immer weniger.
Was sind diese Dinge von denen Sie sagen, dass wir sie in der modernen Zivilisation verloren haben?
Gemeinschaft ist eine Sache, und Teilen. Das ist die gängige Lehrmeinung über die prähistorische menschliche Gesellschaft: ihr wichigster Wert war das Teilen: das Teilen von Essen, und Antihierarchie. Und man sieht das in einigen – und es gibt mehr als einige in Indien – Jäger- und Sammlergesellschaften, die immer noch existieren. Das sind Dinge die wir verloren haben. Man nehme die Gemeinschaft: es gibt keine Gemeinschaft. Heute ist es bloß noch Massengesellschaft – die Menschen sind verstreut, isoliert und überlastet und verlassen sich immer mehr auf Drogen und Medikamente und deshalb verschwinden gemeinschaftliche Werte. Denn wenn es keine Gemeinschaft gibt, woher sollen die gemeinschaftlichen Werte herkommen? Deshalb brechen die Dinge auseinander.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die frühen Menschen die Dinge nicht ändern wollten. Sie wollten die existierende Technologie nicht ändern: die Steinwerkzeuge zum Beispiel. Wenn die Archäologen heute sagen, dass sie es eine Million Jahre lang nicht verändert haben, was zeigt uns das? Dann aber, wenn man was Gutes hat, warum ändern?
Aber ist der Aufstieg der Zivilisation nicht ein natürlicher Ausdruck und Prozess der menschlichen Natur?
Naja, wenn man über die menschliche Natur reden möchte – und Leute denen es gut geht kommen immer zu dem Thema – gut, was ist die menschliche Natur? Die, die eine Million Jahre bestand, oder die der letzten 9,000 Jahre? Eine ist eine Sekunde in der Zeit im Verhältnis zur Existenz des Homo Sapiens.
Was ist mit der Hobbesianischen Sicht der menschlichen Natur – dass ohne Kultur das Leben grausam, stumpfsinnig, verroht und kurz wäre?
Die Hobbesianische Sicht wurde komplett negiert. Jede Anthropologie der ich nachging sagt Ihnen das. Das ist die Sache mit den gängigen Meinungen: unter primitiven Menschen gab es keine organisierte Gewalt, es gab das Teilen, Frauen waren keine Objekte, die Menschen arbeiteten sehr, sehr wenig, tatsächlich lebten die Menschen länger als gedacht. Das Buch des amerikanischen Anthropologen Marshall Sahlin “Ökonomie der Steinzeit” (Stone Age Economics,1974) ist die beste einzelne Informationsquelle über die ursprüngliche Wohlstandsgesellschaft: die Bedürfnisse der Menschen wurden erfüllt, sie waren nicht arm, selbst wenn sie nichts verdient haben, aber wir – unsere Bedürfnisse sind niemals erfüllt, auch wenn wir den Platz mit Krempel auffüllen.
Warum hat Hobbes Sichtweise dann soviel Anklang gefunden?
Weil sie perfekt ins System gepasst hat. Es ist die zugrunde liegende Ideologie für Zivilisation. Tatsächlich wurde dies den Menschen seit den ersten Städten erzählt, den ummauerten Städten: geht nicht raus, ihr werdet sterben, die Natur ist wild und es ist gut, dass ihr hier seid, mit der Armee und den Tempeln die euch beschützen. Und das ist exakt, was uns auch jetzt erzählt wird, ihr könnt nicht gehen – die Menschen haben Angst. Wenn all dies zusammenbricht, Menschen ohne Fähigkeiten, ohne Orientierung zur Erde, sie werden nicht bestehen. Aber ich denke die Menschen spüren das. In den USA gibt es eine Menge Besorgnis und Ängstlichkeit – auch wenn es nicht erlaubt ist das öffentlich zu sagen – in Bezug auf die Frage, könnte dies alles zusammenbrechen? Mehr Leute sind der Meinung es sei die Frage wann es passiert, nicht falls.
Viele glauben nachhaltige oder grüne Technologie könnten uns vor einem bevorstehenden Ökologischen Zusammenbruch retten.
Ich sah eine Reklametafel auf dem Weg nach hier. Es verkündete “Wir machen grünen Stahl” und “wir tragen zum Ökosystem bei” oder irgendwie sowas. Ich meine, wie gestört ist das? Ein verfluchtes Stahlwerk ist grün?! Das ist einfach nur absolut geisteskrank! Hier, in den USA, mit dem ganzen Gerede über ‘nachhaltig’, and ‘grün’ – die Idee ist, dass wenn man diese Worte immer wieder wiederholt, versucht man den Leuten zu sagen “Naja, eigentlich ists okay, wir denken drüber nach, wir sind besorgt, wir arbeiten dran” – dieser ganze Mist. Naja, es sind bloß Lügen. Man schmiert damit das Getriebe, und hofft die Leute machen mit, noch etwas länger.
Was denken sie über den Gipfel in Kopenhagen?
Das sind nur Beschönigungen, aber nicht mal die bekommen sie durch, weil die reichen Staaten es blockieren. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Kyotoprotokoll sind die Dinge nicht nur schlimmer geworden, sie wurden sogar schlimmer als sie erwartet haben in Bezug auf die Geschwindigkeit der Veränderungen.
Viele glauben, dass die Vorteile der Technologie überwiegen, wie Medizin zum Beispiel. Sollten Sie krank werden, würden Sie nicht in ein Krankenhaus gehen?
Sicher, ich werde nicht sagen, oh nein, ich gehe in kein Krankenhaus. Ich habe keine Wahl – was soll ich tun? Aber wir sind darin gefangen, und wir sollen vergessen, dass es in erster Linie Technologie war, die die meisten dieser Krankheiten überhaupt erst hat entstehen lassen. Darum sagen sie mehr Technologie wird unsere Probleme lösen, und wissen Sie, es wird bloß schlimmer, es wird nicht besser. Medizin ist das extremste Beispiel, das man bringen kann; aber der einfache Umstand, dass alles von der Industrie abhängt – abhängig von den Fabriken, und den Minen – die ganze chirurgische Ausrüstung und Monitore und was nicht alles – so offensichtlich das ist, es wird immer aus der Diskussion ausgeblendet. Wenn es eine Diskussion gibt, ist sie zwangsläufig eng darauf beschränkt, wie wir Technologie am besten nutzen?
Leben wir also in einer Kultur der Verleugnung?
Oh ja, massiver Verleugnung, ich weiß nicht, wie man Länder vergleichen soll, aber die Vereinigten Staaten sind mit Sicherheit ganz oben auf der Liste. Aber es ist auch eine erzwungene Verleugnung: wenn die Leute nichtmal über eine Alternative nachdenken können, was bleibt einem dann noch? Man möchte nicht sehen, wie schlimm die Dinge sind, man möchte nicht darüber meditieren, wie schlimm es für die eigenen Kinder wird in einigen Jahren. Es ist Selbstschutz, es ist nicht gesund, aber nachvollziehbar, da es einem hilft mit dem System umzugehen.
Aber ist Technologie in der Basis nicht neutral?
Technologie schließt bestimmte Werte mit ein. Mit Technologie meine ich Systeme von Technologie, in Kontrast zu Werkzeugen. Es gibt eine gewisse Distanzierung in der modernen Technologie, eine bestimmte Kälte, eine bestimmte Standardisierung, Inflexibilität, und die Abhängigkeit von Experten sind weitere ihrer Werte. Aber mit einem einfachen Werkzeug, kann man sich wesentlich einfacher eine ungefähre Gleichheit vorstellen, wo die Menschen nicht abhängig sind von Experten. Das ist die beste Art eine Gesellschaft zu lesen: schau dir ihre Technologie an, und du kannst sagen, was ihre vorherrschenden Werte sind.

Um ein Beispiel zu nehmen, zumindest in der städtischen Indischen Gesellschaft ist die Verbreitung der Mobilfunktechnologie regelrecht expodiert. Was sagt dies Ihrer Meinung nach über diese Gesellschaft aus?
Naja, statt von Angesicht zu Angesicht tauschen wir es ein um über das Handy miteinander zu reden, die ganze Zeit, oft über nichts. Ja, wir können mit Freunden reden, die Tausende Kilometer weg sind, aber wir kennen unsere Nachbarn nicht, wir wollen sie nichtmal kennen, wir sind darauf trainiert uns zu isolieren, und auf diesem Wege hilft uns die Technologie; wir blenden alles aus und behaupten wir hätten viel Kontakt mit Leuten, wo wir stärker isoliert sind als je zuvor. Das ist einfach zu messen – wieviele Menschen leben allein, wieviele haben kaum Freunde, besuchen sich Leute seltener? – es gibt eine ganze soziologische Liste von Dingen. Und genau das bekommt man in der Technokultur. Also gibt es sicherlich Werte, die die Mobilfunktechnologie mit sich bringt, abgesehen vom Wert der Wahrscheinlichkeit Hirnkrebs zu bekommen und die Erde zu vergiften, wenn es in den Boden geht.
Es hört nicht einfach auf bei der Technologie. Es heißt die menschliche Vernunft selbst ist nicht wertneutral.
Die Frankfurter Schule der Philosophie brachte das auf, über Zweckrationalität. Vernunft ist nicht wertfrei. Es könnte eine Vernunft sein, die behauptet objektiv zu sein und wissenschaftlich, die tatsächlich aber benutzt wird als Werkzeug der Macht. Es ist bloß eine Abstraktion zu sagen ‘Vernunft’. Man muss fragen, was für eine Vernunft das ist.
Wie unterscheidet sich nicht-zweckgebundene Rationalität von Zweckrationalität?
Nicht-zweckgebundene Rationalität hat ein Bewusstsein dafür, worin die herrschende Vernunft, wenn man so möchte, wirklich verwickelt ist, was sein Projekt ist. Wir schauen nicht besonders oft nach den verborgenen Annahmen. Zum Beispiel nehmen wir Domestikation als gegeben an, und es ist nichts als mehr Kontrolle und mehr Beherrschung auf einer tieferen Ebene, die Besiedelung der Natur auf einer tieferen Ebene. Genmanipulierte Lebensmittel und Klonen und Nanotechnologie – sie treiben Domestikation weiter, bis auf die Molekulare oder Atomare Ebene. Aber würde ich nicht auf der Ebene der Domestikation handeln, würde ich hier Vernunft nicht als Instrument nutzen, denn warum sollte man die Natur beherrschen wollen? Prä-Domestikation, du nimmst was dir die Natur gibt, das ist großartig, du erdenkst dir nicht diese ganzen Mittel sie abzuzäunen, gebierst was du möchtest, und versuchst neue Ebenen der Kontrolle zu finden. Aber das ist die heutige Logik und sie ist definitiv nicht wertfrei.
Viele Leute würden sagen all diese Technologie und Domestikation und Herrschaft über die Natur sind notwendig um eine wachsende Bevölkerung zu versorgen.
Gut, einige Linke, darunter Noam Chomsky, sagen das auch, bloß, dass die unnatürlich hohe Population mit dem Zivilisationsprojekt zusammenhängen. An der Stelle fing die Population so rasant zu wachsen an. Überpopulation ist ein deutlicheres Symptom als alles andere. Die Population würde sinken, wenn man Dinge wie Domestikation ausschaltet.
Aber ist es wirklich heute möglich das zu tun? Die Technologie auszuschalten und die Geisteshaltung, die sie hervorgebracht hat?
Naja, es ist nicht als würde man den Stecker ziehen oder das morgen einfach durchziehen. Das kann so nicht passieren, weil die Population ziemlich hoch ist. Aber man kann in die Richtung arbeiten, einen Weg finden das rückgängig zu machen, als bewusstes Projekt. Das wäre ansprechender als die Aussicht auf diese ganzen Leute in ganzen Blöcken, die verhungern wenn der Strom ausgeht, weil sie keine Fertigkeiten haben, und dann gibt es Aufstände wegen Lebensmitteln und was dann? Das ist kein schönes Bild. Ich denke der verantwortliche Weg ist das zu durchdenken und anzufangen sich auszurüsten und das umzudrehen. Chomsky und andere nennen uns Völkermörder. Gut, wenn irgendjemand Völkermörder ist, ehrlich gesagt, sind die es, weil sie keine Diskussionen über Themen wie diese haben möchten. Und es ist seltsam, dass sie nicht besorgter sind als über diese ganzen Millionen Leute in den Megalopolen in der ganzen Welt – die sind am Ende, wenn es einen Crash gibt. Niemandem ist es erlaubt darüber nachzudenken oder gar laut auszusprechen.
Wie kann es zu solch einer Veränderung kommen, es sei denn es gäbe ein Umdenken in der Politik auf Ebene von Staat und Regierung, wo die hauptsächlichen Entscheidungen getroffen werden?
Nein, das ist eine Sackgasse, das ist die Falle des Systems. Sie möchten dass wir diesen Scheiß weiter mitspielen, wissen Sie, weiter wählen gehen, was wirklich heißt für die geringfügig weniger scheußliche Person als die andere zu wählen. Das garantiert, dass wir in dieser Scheiße festhängen. Nein, Nein, das kann nicht die Anwort sein, das ermöglicht, legitimiert und reproduziert die Lüge der Demokratie. Wenn wir damit weitermachen, dann gibt es wirklich keine Hoffnung. Die erste und einfachste Sache ist da auszusteigen – nicht wählen, nicht das Spiel spielen, dass das System für uns aufstellt.
Sie sagen also der Staat muss da rausgehalten werden?
Vollständig. Man kann die Zivilisation nicht loswerden indem man auf den Staat zurückgreift. Man kann das historisch betrachten: wann und weshalb taucht der Staat auf? Oder Städte, oder jedwede Institution, angefangen bei der Arbeitsteilung und der Domestikation. Der Staat und all diese Dinge sind Teil des Gefängnisses, die es zusammenhalten.
Was denken sie über Arbeit?
Das ist eine weitere Sache auf die Marshall Sahlins hinwies: je mehr symbolische Kultur es gibt, desto mehr Arbeit gibt es. Und es ist wahr. Wir arbeiten immer mehr, ich meine, was ist aus dem Versprechen der Technologie geworden? Keines dieser Dinge hat so funktioniert, wie es verkündet wurde. Nimmt man jetzt ein Paar in den Vereinigten Staaten, sie arbeiten beide; oft arbeitet jeder davon auf mehr als einer Stelle; völlig überlastet, sie haben keine Zeit für ihre Kinder und den ganzen Rest.
Gibt es einen Weg das Leben zu organisieren, der sich nicht um Produktion und Konsum dreht?
Produktion und Konsum sind das Bezugssystem der Massengesellschaft: Massenproduktion heißt Massenkonsum was Massenkultur heißt, was Massenmedien heißt, Massenalles, und die “massifizierte” Welt wird zunehmend ungesünder. Das ist nicht der richtige Weg und ich denke das ist eine nachvollziehbare Aussage.
Wie war ihr Treffen mit dem Unabomber?
Ich besuchte ihn im Bezirksgefängnis in Sacramento. Wir haben die gleichen Ideen, nicht aber die gleichen Taktiken. Die Medien versuchen immer zu sagen, Sie stimmen dem Unabomber zu, oder nicht?!! Aber ja, die These, dass Technologie autonom ist und quasi bestimmt was passiert ist wahr. Es wird umso wahrer dadurch, dass wir dies einfach geschehen lassen ohne uns darüber Gedanken zu machen.
* symbolische Kultur (symbolic culture): Soziologen beziehen sich manchmal auf die nichtmaterielle Kultur durch den Begriff symbolische Kultur. Ein Symbol ist etwas, was Menschen mit einer Bedeutung versehen und anschließend zur Kommunikation verweden. Zu Symbolen zählen etwa Gesten, Sprache, Werte, Normen, Strafen, Sitten und andere.
Originaltext: Primitive green, DNA (Daily News & Analysis)
Sonntag, 20. Dezember 2009, 1:00 IST
Übersetzung: Bite Back Germany | http://www.bitebackgermany.net

















Bite Back Germany 2011
…also kann es auch keinen geben, oder wie??
Zerzan wiederholt des öfteren, daß die vorherschende Ideologie nicht nur die Gegenwart und Zukumpft verseucht, sondern auch die Vergangenheit nach ihrem Bilde aufbereitet und darstellt. Und tatsächlich, wir wissen kaum etwas über die Vergangenheit menschlicher Spezies, denn die Fundamente heute geltender Geschichtsschreibung sind alles andere als gesichert und unbefangen.
Ein prägnanter und detaillierten Einblick in die Ansichten von John Zerzan von # G Sampath. Solche Gespräche helfen uns, die Historizität der vieles von dem, was Gesichter der Welt von heute zu sehen.